Sa. 22. August 2026
Referat vom Verein für rassismuskritische Psychotherapie.
Psychotherapie versteht sich oft als Raum für das Individuelle: für persönliche Krisen, psychische Störungen, innere Konflikte und biografische Erfahrungen. Doch psychisches Leiden entsteht nie losgelöst von gesellschaftlichen Verhältnissen. Rassismus und Diskriminierung, strukturelle und zwischenmenschliche Grenzen sowie Prekarität in Arbeit, Wohnen und sozialem Status prägen, wie Menschen leben und wie sie psychisch belastet werden.
Im Referat widmet sich eine Fachperson der Frage, wie politisch Psychotherapie tatsächlich ist. Im Zentrum steht das Spannungsfeld zwischen therapeutischer Praxis, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und strukturellen Ausschlüssen. Welche politischen und sozialen Rahmenbedingungen beeinflussen den Zugang zu psychotherapeutischer Unterstützung? Wer kann sich Therapie leisten und wer bleibt ausgeschlossen? Auch die eigenen Strukturen der Psychotherapie müssen hinterfragt werden: ihre Geschichte, ihre Sprache und elitäre Tendenzen. Welche Menschen fühlen sich angesprochen, verstanden oder repräsentiert? Und wo reproduziert Psychotherapie gesellschaftliche Ungleichheiten?
Der Anlass soll zum Zuhören, Mitdenken und Diskutieren anregen und einladen, darüber zu reflektieren, wie eng psychische Gesundheit, gesellschaftliche Verhältnisse und politische Verantwortung miteinander verbunden sind.
Der Verein für rassismuskritische Psychotherapie ist ein junger Verein mit dem Ziel, die psychotherapeutische Versorgung für rassifizierte Menschen zu verbessern. Er setzt sich dafür ein, dass psychotherapeutische Fachpersonen umfassende Kompetenzen und Sensibilität im Umgang mit Rassismus entwickeln. Dadurch sollen sich rassifizierte Menschen im psychotherapeutischen Kontext ebenso sicher und gut aufgehoben fühlen wie nicht-rassifizierte Menschen.

